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Das Coronajahr 2020 in Maher

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Viele von Ihnen und Euch kennen Maher und Schwester Lucy persönlich. Es ist immer so beeindruckend, wenn sie nach Österreich kommt und von Maher erzählt.

In diesem Jahr war nicht an Reisen zu denken. Aber über Telefonate, E-Mails, WhatsApp – Nachrichten und Facebook, zweimal auch über eine Zoom-Konferenz hat es immer wieder Kontakte mit Schwester Lucy, aber auch mit Mangesh, Gaus und Supraba gegeben.

Als sich die Pandemie im Februar abzeichnete, haben Sr. Lucy und ihr Team sofort Vorkehrungen getroffen. Es wurden Lebensmittel eingelagert und spezielle Räume für mögliche Quarantäne im Erkrankungsfall hergerichtet. Die BewohnerInnen und vor allem die Kinder wurden auf den Lock-Down sehr gut vorbereitet, damit es nicht zur Panik kommen kann. Es gab ein nettes Video, wo zu sehen war, wie sich Sr. Lucy und eine Gruppe von Kindern lustige Geschichten erzählten und dabei herzhaft lachten – die Angst weglachten, wie sie sagten.

Was besonders berührt hat, ist die Tatsache, dass Maher nicht nur die große Anzahl von Menschen, die in den 44 Häusern leben, versorgt (900 Kinder, 250 Frauen, 100 Männer) sondern auch noch extrem viel für Menschen außerhalb getan hat.

Einerseits haben sie Lebensmittelpakete für die Bewohner der Slums in der Gegend gepackt und verteilt. Andererseits haben sie in der ersten Zeit sehr viele Wanderarbeiter mit Nahrung versorgt. Diese hatten durch den ersten Lockdown ihre Arbeit in den Großstädten verloren. Die Züge fuhren nicht und so mussten sie sich zu Fuß auf den Weg in ihre Dörfer machen. Als Sr. Lucy sie erschöpft auf der Straße liegen sah, hat sie – so hat sie uns erzählt – einen ganzen Tag lang telefoniert und viele Menschen, die ihr in Indien bekannt sind, angerufen und gefragt, ob sie ihr finanziell helfen, zusätzliche Nahrungsmittel, aber auch hygienische Artikel wie Seife und Desinfektionsmittel zu kaufen. Mund-Nasenschutz-Masken wurden in Maher genäht und unter der Bevölkerung verteilt.

Während der Corona-Pandemie wurden zusätzlich 48 Frauen, 26 Kinder und 7 Männer aufgenommen. (Stand 10.9.2020)  Die neu aufgenommenen Gäste kamen aus der Umgebung und verbrachten die ersten beiden Wochen in abgesonderten Zimmern. Die meisten wurden von der örtlichen Polizei gebracht, weil alle staatlichen Kinder- und Frauenheime ein Aufnahmestopp verhängt hatten, die Gewalt gegen Frauen und Kinder aber gerade während des Lockdown zugenommen hatte.

Für den Alltag in Maher ist die Pandemie herausfordernd wie für viele andere Menschen auch.

Es können keine Ehrenamtlichen aus dem In- und Ausland kommen, die sonst bei vielen Handgriffen hilfreich sein können, ebenso wenig mögliche Unterstützerinnen und Spenderinnen. Daher sind auch die Spendeneinnahmen zurückgegangen. Die Schule muss größtenteils ebenfalls im Home-Schooling erfolgen.

Die Jugendlichen in Maher finden es – wie alle Jugendlichen – schwierig und sie vermissen die Tages-Routine mit Schule und College. Viele junge Erwachsene sind derzeit arbeitslos oder bekommen ein gekürztes Gehalt.  Die Werkstätten, in denen Bewohnerinnen und Bewohner eine Beschäftigung fanden und z.B. Karten und Taschen hergestellt haben, mussten ihre Produktion einstellen, weil durch den Lockdown kein Verkauf möglich war.

Aber es wäre nicht Maher, wenn es nicht Ideen gäbe, Herausforderungen zu begegnen.  So wurden einige Felder kultiviert und viel Gemüse erfolgreich angebaut. Dadurch konnten die Jugendlichen eine Beschäftigung haben und lernten außerdem kochen, backen, nähen und batiken. Durch den Gemüseanbau verringerten sich nebenbei auch die Ausgaben für die Nahrungsmittel.

Ob mit oder ohne Pandemie – in Maher wird immer wieder gefeiert. Aktuell schreibt Schwester Lucy, dass der November in Indien eine besondere Zeit der Feste und Feiern ist, insbesondere „Diwali“ das Lichterfest der Hindus, wo der Sieg des Lichts über die Dunkelheit gefeiert wird. Es wird getanzt, es werden Geschenke verteilt und gute Wünsche ausgesprochen.

Da es Schwester Lucy geschafft hat, dass Menschen aus ganz unterschiedlichen religiösen Hintergründen in Maher ein Zuhause haben, freuen sich nun alle schon auf Weihnachten.

Diese spirituelle Grundhaltung der Liebe und des Respekts vor jedem einzelnen Menschen wird im Alltag durch gemeinsame Gebete und Meditationen gepflegt. Berührend war, dass nach dem Attentat in Wien in Maher für die Opfer und für alle Menschen in Österreich gebetet wurde.

So erleben wir unseren Beziehung mit Maher immer wieder als ein wechselseitiges Geben und Nehmen.

Wir wünschen Ihnen, Euch und uns allen gesegnete Weihnachten und ein gutes „Corona-freies“ Neues Jahr 2021.

Mit herzlichen Grüßen

Christine und Marlies  

im Namen des Vereins Maher Österreich

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